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Arnold Harris Mathew

Arnold Harris Mathew

Eine Lebensbeschreibung  des Begründers der altkatholischen Kirche von England
von Rainer Laufers, dem kanadischen Erzbischof der Alt Heilig Katholischen Kirche

 

Ein Mann, dessen Leben einen der weitreichendsten Einflüsse auf die “Alte Heilige Katholische Kirche“ im besonderen und den Altkatholizismus im allgemeinen hatte, ist wahrscheinlich Arnold Harris Mathew.

Sein Leben umschloss die Welt des Altkatholischen, des Römisch-katholischen, des Anglikanischen, und sogar der Orthodoxie, sowohl während des neunzehnten als auch während des zwanzigsten Jahrhunderts. Während seines Lebens oft verleumdet und womöglich noch mehr nach seinem Tod, hatte dieser freundliche, vornehme und bisweilen höchst naive Gottesmann allezeit die besten Absichten für die Kirche im Herzen, doch unvermeidlich schien er zu allen Zeiten die falschen Mittel gewählt zu haben, um seine Ideale auszuführen.

Als er starb, war er mittellos und einsam, er hatte nur einen einzigen Freund, der bereit war, ihn aufzunehmen. Er war ein geschlagener Mann. Abgesehen von solchem Ende jedoch hinterließ er ein Denkmal in seinen wissenschaftlichen Schriften, in seinen kirchengeschichtlichen Werken und in seinen geliebten Gärten. Ein gelehrter Mann, dessen größtes Erbe zusammengefasst sein mag in dem einfachen Ausspruch: “Der guten Menschen Tat ist oftmals beerdigt mit ihren Knochen.“ Dies scheint auch bei Erzbischof Mathew der Fall zu sein. Wir aber wollen hier den Versuch unternehmen, die skurrilen Angriffe, die von falschen Journalisten, sowohl der kirchlichen als auch der säkularen Welt, gegen seinen guten Namen verübt worden sind, zum Stillstand zu bringen.

Arnold Harris Mathew wurde am 6. August 1852 in Montpellier in Frankreich geboren. Sein Vater war der Major Henry Octerlony, der 3. Graf von Landaff von Thomastown im Land Tippery, von irischem Adel. Der junge Arnold immatrikulierte sich im College von Cheltenham in England und setzte in Deutschland seine Studien in Bonn und Stuttgart fort. Von Geburt an aufgewachsen in der anglikanischen Kirche von England, konvertierte er zur römisch-katholischen Kirche und vollzog seinen Übertritt im Priorat der Kathedrale von Belmont. Im Januar 1876 trat er in das Seminar St. Peter in Patrickhill in Glasgow ein, und am 25. Juni 1877 wurde er zum Priester geweiht, nachdem Papst Pius IX seine Bestimmung zum Doktor der Theologie bestätigt hatte. Dies war verbunden mit dem Dienst in einer Reihe von Parochien. Der erste beinhaltete eine Mission in Dunston on Tyne. Ebenso diente er an der Kathedrale von Plymouth, in Nottingham, Trowbridge, Wiltshire und an St.Mary’s in Bath.

Für sein Leben bestimmend wurde eine zufällige Begegnung mit dem berühmten ehemaligen karmelitischen Geistlichen Hyacinthe Loyson und seiner Frau. Bei einer Bahnreise während eines Urlaubsaufenthaltes in Frankreich kam er zufällig mit ihm ins Gespräch und wurde grundlegend von ihm beeinflusst. Es kam dahin, dass Loyson Mathew dazu brachte, seine Konfessionszugehörigkeit zu hinterfragen. Er scheint [damals] den Glauben an das Dogma der “immaculata conceptio“ verloren zu haben; und Zweifel, die er bezüglich der Unfehlbarkeit des Papstes hegte, haben sich offenbar verstärkt. Diese zufällige Begegnung hatte wahrscheinlich Auswirkung auf Mathews im Juli 1889 getroffene Entscheidung, vom Priesteramt zurückzutreten.

Einige Monate nachdem er die römische Kirche verlasen hatte, tat Mathew als Anglikaner Dienst. Da er sich jedoch nicht in der Lage sah, die für Konvertiten geforderte “Form der Absage an die römische Doktrin“ zu unterzeichnen, wurde er nicht mehr voll in ihre Gemeinschaft aufgenommen. Davon abgesehen verliebte er sich, und nachdem er sich zu heiraten entschlossen hatte, wurde er am 22. Februar 1892 durch Rev. Robert Eyton in der Trinity Church in der Sloane Street in London getraut.

Nachdem sein Vater, der 3. Graf von Landaff, 1894 gestorben war, meldete Dr. Mathew seine rechtmäßigen Ansprüche auf die Grafschaft an. Wie es sein Vater gewünscht hatte, hatte er zuvor seinen Namen notariell geändert in: “Count Povoleri“. Auf diesen Titel hatte er einen Anspruch, weil seine Großmutter väterlicherseits eine Tochter des Markgrafen Domenico Povoleri di Vicenza, Verona e Nogarote war. Count Povoleri (bzw. Arnold H. Mathew), der 4. Graf von Landaff, erfüllte seine Verpflichtungen als begüterter Edelmann, indem er eine kurze Zeit als Ehren-Curator an der Holy Trinity Kirche in London diente. Er zog es jedoch vor, seine Bindungen zur anglikanischen Kirche [wieder] zu lösen und nahm das Leben eines einfachen römisch-katholischen Laien an.

Mathew’s Ehefrau schenkte ihm drei Kinder. Das erste war eine Tochter. Sie wurde 1895 geboren und hieß Margherita Francesca Mathew. Fünf Jahre später kam ein Sohn, Francis Arnold Dominic Leo Mathew, und zuletzt eine zweite Tochter mit Namen Mary Theresa Gertrude Mathew. Sie wurde 1907 geboren. Während dieser Periode seines Lebens, besonders zwischen 1895 und 1912, widmete sich Dr. Mathew der Aufgabe, viele gelehrte Schriften als Autor herauszugeben. Seine Schriften erstreckten sich von verschiedenen Streitschriften bis hin zu unzähligen Artikeln über seine Spezialgebiete. Sie umfassten Gegenstände, die sich von der Anthropologie bis zur Zoologie bewegten. All diese Jahre fuhr Mathew fort, das Leben eines einfachen treuen römisch-katholischen Laien zu führen. Es ist jedoch erkennbar, dass er fortfährt zu zweifeln und dass er an den Vorbehalten gegenüber dem Papstamt festhält. Im Jahr 1907 arbeiteten er und ein ehemaliger jesuitischer Priester, der englische Modernist, Theologe, Autor und Lektor, George Tyrrell (1861-1909), zusammen an einer dritten Edition der “Geschichte des priesterlichen Zölibates in der christlichen Kirche“ bei Lea, das wohl ein zweivolumiges Werk werden sollte. Es ist wahrscheinlich, dass dieser Kontakt bedeutenden Einfluß ausübte auf die Entscheidungen, die Mathew später treffen würde.
 

In dieser seiner Lebensperiode (höchstwahrscheinlich gegen Ende des Jahres 1907) korrespondierte Dr. Mathew mit dem altkatholischen Bischof der Schweiz, Herzog. Für nahezu sechs Monate schrieb er wöchentlich. Es scheint, dass sie die Möglichkeit miteinander diskutierten, die ihrer Rechte enthobenen römisch-katholischen Priester (einige davon waren verheiratet) in eine alt-katholische Gemeinschaft in England zu bringen. Viele von ihnen fühlten, dass sie der anglikanischen Gemeinschaft nicht beitreten konnten; und in der Vergangenheit waren Anfragen an die kontinentale altkatholische Kirche ergangen bezüglich der Entwicklung eines englischen Altkatholizismus. Es scheint jedoch, dass diese Pläne an der Unmöglichkeit gescheitert waren, einen geeigneten Kandidaten für dessen bischöfliche Leitung zu finden.

Im Jahr 1908 diskutierten Dr. Mathew und ein suspendierter römisch-katholischer Priester mit Namen Fr. Richard O'Halloran die Stellung exkommunizierter römischer Katholiken in England. Diese Bekanntschaft sollte einerseits zum Fluch für Mathew, andererseits aber schließlich zu einem Segen für den Altkatholizismus werden. Es scheint, dass O'Halloran Mathew über die wahre Anzahl römischer Katholiken, die wirklich dem Altkatholizismus angeschlossen werden könnten, täuschte. Manche schätzen ihre Zahl auf etwa 250 Priester und Gemeindeglieder. Fr. O'Halloran informierte Dr. Mathew, dass am 8. Februar ein Treffen dieser Leute abgehalten worden war, und dass sie ihn erwählt hatten zum altkatholischen Bischof für die Region. Zunächst lehnte Dr. Mathew es ab, dies anzunehmen, nach einigem Zureden von Seiten O'Hallorans (wir sehen später, dass er weitergehende Motive hinter seinem Beharren hatte) ließ er sich überreden, es anzunehmen. Bald danach sandten Dr. Mathew und O'Halloran einen Brief an Erzbischof Gul von Utrecht, in dem sie darum baten, dass Dr. Mathew zum Bischof geweiht würde. Erzbischof Gul beraumte ein Treffen anderer altkatholischer Bischöfe für den 26. April 1908 in Haarlem ein. Die Teilnehmer waren die Bischöfe Herzog aus Bern, Demmel aus Bonn und van Thiel aus Haarlem. Dort stimmten sie der Weihe zu und vereinbarten als Termin den 28. desselben Monats. Erzbischof Gul erteilte die Weihe unter Assistenz der Bischöfe von Haarlem, Deventer und Bern. Der Gottesdienst wurde gehalten in St. Gertrud, der altkatholischen Kirche in Utrecht. Dies ist ein wichtiges Ereignis: Nach einem ersten Aufschrei über die Tatsache, dass Dr. Mathew verheiratet war, liessen sich die niederländischen Bischöfe erweichen, und Arnold Harris Mathew war der erste verheiratete Mann, der zum Bischofsamt in der Utrechter Kirche erhoben wurde.

Bei seiner Rückkehr nach England war Bischof Mathew nun bereit, mit der Aufgabe zu beginnen, die Gemeinschaft der Altkatholiken, die ihn erwählt hatte, aufzubauen. Er befand sich freilich im Glauben, dass es eine große Anzahl sowohl von Priestern als auch Laien gab, die er um sich versammeln konnte. Er war jedoch schockiert und geradezu entmutigt, als er nur eine Handvoll Leute vorfand, die sich dem Altkatholizismus angeschlossen hatten. Es hat den Anschein, dass der gute Fr. O'Halloran Bischof Mathew hinsichtlich der Zahl der Gläubigen, die er repräsentierte, absichtlich getäuscht hatte. Offensichtlich war O'Halloran einzig von dem Wunsch beseelt, selber Bischof zu werden, wobei er versuchte, seine persönliche Fehde mit Rom hartnäckig fortzusetzen. Darin wurde deutlich, dass er kein Interesse hatte, zu helfen, eine würdige Alternative anzubieten für Katholiken, die nicht unter Rom bleiben, aber auch die Kirche von England nicht zu ihrer geistlichen Leitung annehmen konnten. Immer und immer wieder hat O'Halloran sich Bischof Mathew als Kandidaten für das Bischofsamt angeboten. Zu Mathews Ehre muss man sagen, dass dieser sich weigerte, ihn zu konsekrieren, sah er doch jetzt den wahren Grund von Fr. O'Hallorans Betrug.

O'Halloran reagierte ärgerlich auf Bischof Mathews Weigerung, ihn zu weihen. Er konnte nicht verstehen, warum der Bischof, nachdem er Mathew “geholfen“ hatte, nun sein Ansinnen zurückwies. Es ist ganz klar, dass, obwohl jeder andere sehen konnte, dass O'Halloran Mathew irregeführt hatte, O'Halloran selber nichts Falsches sehen konnte in dem Betrug, den er dem guten Dr. Mathew gegenüber verübt hatte.

Als Mathew, vom Doktor zum Bischof geworden, die ganze Tragweite seiner wahren Situation begriff, wandte er sich augenblicklich an Erzbischof Gul und bot an, dass er von seinem Amt zurücktreten würde. Er informierte Gul, dass er und die anderen altkatholischen Bischöfe getäuscht worden seien, und er, Mathew, fühle, dass er seine Weihe betrügerisch empfangen habe. Mathew bestand darauf, dass er aufgrund seiner Situation nicht in seiner Eigenschaft als Bischof wirken könne. Die altkatholischen Bischöfe auf dem Kontinent dagegen bestanden darauf, dass Mathew gültig geweiht sei und dieses, ungeachtet dieser neuen Information, nicht geändert werden könne. Mit gutem Gewissen weigerten sie sich einmütig, Bischof Mathews Rücktritt anzunehmen. Von Interesse ist es hier zu notieren, dass Bischof van Thiel von Haarlem, der Sekretär der Konferenz der altkatholischen Bischöfe von Holland, Deutschland und der Schweiz, einen Brief zur Unterstützung von Bischof Mathew an das Magazin The Guardian schrieb. Dies ist erwähnenswert, weil van Thiel ein guter Freund nicht nur des Erzbischofs von Canterbury, Dr. Davidson, sondern auch anderer Kleriker der anglikanischen Kirche war. Van Thiel war ursprünglich wegen dieser Freundschaften dagegen gewesen, den Altkatholizismus in England zu etablieren. Man kann also vermuten, dass er das Ereignis der Konsekration Mathews [eigentlich] bedauerte. The Guardian veröffentlichte Bischof van Thiels Brief am 3. Juni 1908:

Wir, der Erzbischof und die altkatholischen Bischöfe von Deutschland und der Schweiz haben mit großer Sorge von einigen Ereignissen gehört, die den englischen Zweig der altkatholischen Kirche betreffen. Wir erklären, dass wir seit dem Jahr 1902 mit einem suspendierten römisch-katholischen Priester O'Halloran in Korrespondenz gestanden haben.

Dieser Priester besuchte die Bischöfe von Bonn, Bern, Deventer, Haarlem und den Erzbischof von Utrecht, und wir glauben, dass er in vollständiger Übereinstimmung mit uns steht. Er begleitete [den späteren] Bischof Mathew auf seinem Besuch bei dem Erzbischof von Utrecht. Am 7. April dieses Jahres unterzeichnete er mit anderen die Petition an die Bischöfe, in der sie uns baten, den Right Rev. A.H. Mathew zu weihen.

Alle Dokumente wurden von seinem Priester an Bischof Herzog gesandt, begleitet von zahlreichen Briefen, in denen wir dringend aufmerksam gemacht wurden, auf die Notwendigkeit eines Bischofs, nicht nur für die Erfordernisse seiner eigenen Gemeinde, sondern auch für die von anderen Klerikern und Gemeinden, die von ihm im einzelnen aufgezählt wurden. Wir hatten keine Ursache, anzunehmen, dass wir einen Fehler begingen, wenn wir diesem Wunsch stattgeben würden. Nun wünschen wir klarzustellen, dass unser Vertrauen in Bischof Mathew unerschüttert besteht, nachdem wir eine große Anzahl von  Dokumenten sorgfältig durchgesehen haben, die diese Angelegenheit betreffen. Wir hoffen sehr, dass sein Dienst von dem allmächtigen Gott reich gesegnet werden wird  und er in der schwierigen Lage, in der er sich befindet, die herzliche Unterstützung des britischen Volkes und seiner Kirche  erhält.
Im Namen der altkatholischen Bischöfe von Holland, Deutschland und der Schweiz.
Der Sekretär,
J. J. van Thiel, Bischof von Haarlem

Die Bedeutung dieses Briefes wird ersichtlich, wenn man bedenkt, wer die Gegner von Bischof Mathews Konsekration waren:

Verschiedene Kommentatoren der römischen Kirche versuchten in dem Bestreben, die altkatholische Bewegung anzugreifen, Zweifel an Mathews Weihe wegen “O'Hallorangate“ anzumelden. Einer der Hauptbetreiber solcher Anschuldigungen war ein Anglikaner namens Henry R. T. Brandreth. Er publizierte unablässig die theologisch unkorrekte Theorie, dass heilige Weihen, die mala fide empfangen wurden, nicht gültig empfangen wurden. Solche Versuche, Bischof Mathew herabzuwürdigen, wurden erneut bei der 1920ger  Lambeth Conference fortgesetzt. Hier wurden, aufbauend auf diesem irrigen Konzept, weitere Zweifel zum Ausdruck gebracht.

Eine Weihe mala fide zu empfangen, ist [selbstverständlich] unerlaubt und höchst regelwidrig; sie ist beklagenswert, aber nichtsdestoweniger gültig. Es gibt theologisch genauso wenig Grund zum Zweifel an der Weihe von Bischof Mathew, wie an den anglikanischen Weihen, die ja auch von Rom für null und nichtig erklärt worden sind. Doktor Mathew, das kann man zweifelsfrei feststellen, empfing seine Weihen in gutem Glauben. Niemand kann ihm diese seine Ehrenhaftigkeit absprechen.

Im Sommer 1908 verabschiedete die anglikanische Gemeinschaft auf der Lambeth Konferenz, an der 242 Bischöfe teilnahmen, eine Resolution gegen die Etablierung einer anderen, nicht dem Papst untergebenen katholischen Kirche in England. Damit machten sie der Nation unüberhörbar deutlich, dass sie die Antwort auf die Frage nach einer nicht-römischen Kirche waren, und beklagten heftigst die Gründung einer anderen schismatischen Kirche neben ihnen.

Ermutigt durch die Einmütigkeit und den guten Willen der altkatholischen Bischöfe auf dem Kontinent, machte sich Bischof Mathew ans Werk, seine Kirche aufzubauen und zu versuchen, engere Verbindungen zwischen seiner embryonalen altkatholischen Kirche von England und dem Anglikanismus herzustellen. Ebenso war er bemüht, ein altkatholisches Missale herauszugeben, das im Herbst 1909 herauskam und das Imprimatur von Erzbischof Gul besaß. Daneben hielt er die Beschäftigung mit anderen Schriften und Hobbys aufrecht.

Im September 1909 nahm er am 8. internationalen altkatholischen Kongress teil, der in Wien abgehalten wurde. Hier kam ihm zum ersten Mal zu Bewusstsein, wie stark protestantisch der Charakter und die Erscheinung der altkatholischen Kirche auf dem Kontinent ausgeprägt waren; und er kehrte überaus betrübt und enttäuscht zurück. Er konstatierte einen entscheidenden Mangel an Glauben in der Mehrheit der altkatholischen Kirche. Bischof Mathew erkannte, dass es innerhalb der altkatholischen Kirche ein breites Spektrum von Glauben und Praxis gab und dass der Altkatholizismus größtenteils auf einer Zusammenstellung von Individuen und der Herausbildung individueller Bischöfe und ihrer nationalen Zusammenhänge beruhte. Dem Altkatholizismus fehlte damals wie heute der Zusammenhalt, wie er in der römisch-katholischen Kirche durch ihren stark zentralisierten Papalismus vorherrscht. Völlig durch die eigene Situation in England in Anspruch genommen, war Mathew, das wird deutlich, nicht fähig, die Idee, die hinter dem Altkatholizismus auf dem Kontinent stand, zu begreifen. Mathew hatte irrtümlicherweise angenommen, dass die gesamte altkatholische Kirche dieselben Überzeugungen und Werte hatte, die er selbst vertrat.

Zusätzlich zu den Spannungen mit den kontinentalen Altkatholiken, waren ihm schwerwiegende Zweifel an der Gültigkeit der anglikanischen Weihen gekommen, nachdem er ausgedehnte Nachforschungen und Studien über diesen Gegenstand angestellt hatte. Auf der Grundlage einer fragwürdigen Sicht der Dinge brachte Bischof Mathew seine Zweifel in einer Serie von Vorträgen zum Ausdruck und ließ sie in einige seiner Publikationen einfließen. Er veröffentlichte diese Theorien so oft, dass der proanglikanische Bischof von Haarlem, J. J. van Thiel sich genötigt sah, eine öffentliche Antwort auf diese Angriffe in der englischen Presse zu schreiben. In einem Brief vom 5. August 1910 an den “Guardien“ legte er dar:

Bischof Mathew ist in keiner Weise ein Vertreter der Kirche von Holland in England. Bischof Mathew ist lediglich einer der altkatholischen Bischöfe und als solcher steht er in Verbindung mit den altkatholischen Kirchen in Holland, wie auch mit den altkatholischen Kirchen von Deutschland, der Schweiz, Österreich, der polnischen katholischen Kirche von Amerika und der katholischen Kirche der Mariaviten in Polen. In Folge dessen wünsche ich festzustellen, dass die altkatholischen Kirchen in Holland in keiner Weise verantwortlich gemacht werden können für Bischof Mathew’s möglicherweise sonderbare Einstellung oder Meinungen. Er vertrat lediglich seine eigenen Geistlichen und sich selber in England.

Unzweifelhaft hatte die recht enge Freundschaft zwischen Bischof van Thiel und dem Erzbischof von Canterbury nicht nur mit dem oben angeführten Brief zu tun, sondern sie sollte ebenso auf die angestrebte volle Gemeinschaft zwischen Canterbury und Utrecht starken Einfluss ausüben. Die wechselseitige Anerkennung von Utrecht durch Canterbury und umgekehrt war ein Gebot der Zweckmäßigkeit für Utrecht. Da die anglikanische Gemeinschaft viel größer war, bot sie mehr Macht und Ansehen, um Utrechts Recht auf die Trennung von Rom zu stützen. Aus diesem Grund war es auch unmöglich für Utrecht und die Kirche von England, einen dritten katholischen Kirchenkörper in England anzuerkennen. Dies führte dazu, dass die altkatholischen Kirchen des Kontinents ihr “Kind“ in Form der englischen altkatholischen Kirche später zugunsten ihrer vollen Gemeinschaft mit dem Anglikanismus aufgaben.

Im Oktober 1909 reiste Bischof Mathew nach Utrecht um bei der Weihe von Jan Marie Kowalski durch Erzbischof Gul zu assistieren. Kowalski wurde der erste Bischof der polnischen Mariaviten Kirche. Die Bischöfe van Thiel und Demmel assistierten ebenfalls bei dieser Weihe, und es scheint, dass Mathews Kontakt zu diesen Männern zu seiner wachsenden Unzufriedenheit mit den Handlungen des kontinentalen Altkatholizismus beitrug.

Im Juni 1910 unternahm Bischof Mathew Schritte zur Sicherung der apostolischen Sukzession seiner englischen altkatholischen Kirche, indem er zwei römisch-katholische Priester zu Bischöfen in seiner Kirche weihte. Die Priester Herbert Beal und Arthur Howard waren beide vom Katholizismus enttäuscht und hatten einige Zeit zuvor mit Rom gebrochen. Mathews Hauptgrund für diese Handlung, so scheint es, war, dass er sich bedroht fühlte von der wachsenden Union zwischen dem Anglikanismus und der Kirche von Utrecht. Er wollte die Kontinuität seiner Kirche sichern. Es gab aber eine lange bestehende Tradition in der altkatholischen Kirche von Utrecht, dass niemand Bischöfe weihen dürfe ohne die einmütige Übereinkunft aller altkatholischen Bischöfe. So ärgerte dieser Schritt Mathews, der seine Sukzession bewahren wollte, nicht nur die altkatholischen Bischöfe des Kontinents sehr, sondern auch die anglikanischen Bischöfe. Im Dezember des Jahres 1910 veröffentlichte die kirchliche Hierarchie in dem offiziellen Magazin der altkatholischen Kirche De OudKatholik einen Artikel, der erklärte, dass Bischof Mathew die Erklärung von Utrecht aus dem Jahr 1889 gebrochen habe und seine Handlungen null und nichtig seien.

Am 29. Dezember 1910 veröffentlichte Bischof Mathew eine Unabhängigkeitserklärung, in der er seine Einheit mit den Altkatholiken des Kontinents auflöste. Dasselbe hatte er veröffentlicht in der Zeitschrift The Guardian vom 6. Januar 1910. Mathew erklärte, dass die Altkatholiken protestantische Positionen und Praktiken übernommen hätten, dass sie anglikanischen Geistlichen erlaubten, den Vorsitz in altkatholischen Messen einzunehmen und dass sie ihnen erlaubten, die Sakramente zu verwalten. Diesen grundsätzlichen Feststellungen fügte Bischof Mathew weitere neun spezielle Vorwürfe hinzu:

1. Die Zulassung von Anglikanern zur Heiligen Kommunion und die gebilligte Praxis, dass anglikanische Priester in altkatholischen Kirchen aus dem Book of Common Prayer zelebrieren.
2. Die drastische Veränderungen in traditionellen Messen, deren Vorlagen manchmal einfach von den örtlichen Bischöfen willkürlich zusammengestellt seien.
3. Die Abschaffung des Bußsakramentes.
4. Die Abschaffung der Fastentage und des Fastens vor der Kommunion.
5. Die Entfernung von Bildern aus der Kirche.
6. Die Ablehnung der Anrufung der Heiligen.
7. Die Veränderungen im neuen Utrechter Missale (z. B. der Verzicht auf die Bezeichnung “Immer-Jungfrau“ als Titel Unserer lieben Frau).
8. Die Nichteinhaltung der täglichen Messe.
9. Die altkatholische Weigerung, das orthodoxe Konzil von Bethlehem von 1672 zu akzeptieren.

Am 7. Januar 1911 weihte Bischof Mathew für die englische altkatholische Kirche vier weitere Bischöfe. Eine Notiz darüber sandte Bischof Mathew nach Rom und wurde prompt von der römischen Kirche unter höherer Exkommunikation eingestuft. Es ist von Interesse, dass Rom es für nötig erachtete, jemanden zu exkommunizieren, der sich Jahre zuvor schon selber veranlasst gesehen hatte, sich von derselben Kirche zu trennen. Man kann darüber spekulieren, ob das Motiv hinter Mathews Exkommunikation mehr damit zu tun hatte, ihn persönlich zu treffen und die Entwicklung der altkatholischen Kirche in England zu hemmen, als [damit] eine “heilsame Handlung“ im Sinn des Paulus vorzunehmen. Am 28. Februar 1911 publizierte die Times einen Bischof Mathew’s Exkommunikation betreffenden Artikel, und gleich darauf führte Mathew seinen ersten Anwaltsprozess wegen Verleumdung gegen The Time Publishing Company.

Erzbischof Mathew ließ sich nun auf eine Irrfahrt ein, die im weiteren Verlauf der altkatholischen Kirche von Nordamerika ihren westlich-orthodoxen Ritus verschaffte. Bischof Mathew war abgekanzelt von Rom, gepeinigt von Canterbury und desillusioniert von dem Protestantismus der altkatholischen Kirche von Utrecht und der anderen Altkatholiken auf dem Kontinent. War es da ein Wunder, dass er seine Blicke nach Osten wandte und nach einer katholischen Kirche Ausschau hielt, die die christliche Praxis der Kirche Christi aufrecht hielt? Im August des Jahres 1911 traf Erzbischof Mathew sich mit Erzbischof Gerasimos Messera von Beirut, der England in einer Spendenmission für das orthodoxe Patriarchat von Antiochien bereiste. Am Ende der erzbischöflichen Begegnung nahm Bischof Messera die altkatholische Kirche von England in die Union mit dem orthodoxen Patriarchat von Antiochien auf. Am 5. August 1911 legte Bischof Mathew einen Treueeid gegenüber dem Patriarchen ab. Seitdem wurde Mathew’s Kirche in England als westlich-orthodox bekannt.

Hier die Übersetzung der Unionsakte von 1911 zwischen Erzbischof Gerasimos Messara und Erzbischof Arnold H. Mathew:

Monseigneur,
Kollege und Bruder in Jesus Christus, mit offenen Armen in der Liebe unseres Erlösers nehme ich dich unter uns auf und nehme deinen Treueeid gegenüber seiner Glückseligkeit, dem orthodoxen Patriarchen und seiner heiligen Synode entgegen, da diejenigen die unseren Glauben aufrecht halten und mit uns vereinigt sein wollen, niemals daran gehindert wurden, sich uns anzuschließen. 
Im Gebet zu Gott, er wolle dich segnen und nicht allein dich, sondern auch alle diejenigen, die mit dir zu uns kommen, segnen wir dich im Namen seiner Glückseligkeit, des Patriarchen und der heiligen Synode von Antiochien.
Der Obererzbischof und Metropolitan,
die orthodoxe Kirche von Beirut, am 5. August 1911.

Im Februar des Jahres 1912 verstärkte Erzbischof Mathew die orthodoxen Bindungen der englischen altkatholischen Kirche, indem er, nachdem er sich mit dem orthodoxen Patriarchen Photius beraten hatte, [auch] in die Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Alexandria aufgenommen wurde. Bischof Mathew’s englische Kirche erhielt eine garantierte Erlaubnis, den tridentinischen westlichen Ritus in lateinischer Sprache zu gebrauchen, jedoch wurde das “filioque“ aus dem Glaubensbekenntnis gestrichen.

Wie man sich denken kann, waren die Jahre 1911 und 1912 recht quälend für Erzbischof Mathew. Es zeigte sich, dass es sich 1913 ebenso verhielt. Im zwei Jahre zuvor begonnenen Rechtsstreit kam es am 18. Februar 1913 zur Verhandlung. Zum Unglück für Mathew urteilte das Gericht zugunsten der Times auf Kosten des Anklägers. Dem britischen Recht entsprechend hatte Bischof Mathew die gesamten Kosten des Streites zu tragen. Dieses Ereignis scheint seinen Schatten auf die gesamte Zukunft von Bischof Mathew geworfen zu haben, denn nachdem er seinen Prozess verloren hatte, begann die tragischste und traurigste Periode seines ganzen Lebens.

Weithin als Exzentriker hingestellt, sollte Bischof Mathew einen Rückschlag nach dem anderen erleiden, viel verleugnet und zum Gegenstand öffentlichen Gelächters werden. Bischof Mathew sollte ausgenutzt werden von denen, welchen er am meisten vertraute und verlassen werden von denen, die sich zwar zu seiner Kirche gehalten hatten, ihn aber nur zur Begleichung ihrer persönlichen Rechnungen mit Rom in Anspruch nehmen wollten. Bischof Mathew wurde gejagt und betrogen durch unwürdige Kleriker, die ihr Amt mißbrauchten. Da er sowohl mit Rom als auch mit Canterbury zusammengestoßen war, sah man in ihm eine verwegene Person, deren Einsamkeit ihren selbstsüchtigen Ambitionen auf einen Kleriker- oder Bischofstitel zum Erfolg verhelfen könnte.

Zur Krönung dieser schrecklichen Jahre seines Lebens verließ ihn seine Frau, Mrs. Mathew, nach elf Jahren Ehe. Offensichtlich war sie von der Haltung ihrer Bekannten aus der oberen Gesellschaftsklasse zu dem Ruf ihres Mannes mehr betroffen, als bereit, ihm in “guten wie in schlechten Tagen“ zur Seite zu stehen. Einige Jahre zuvor hatte Bischof Mathew sein gesamtes Vermögen seiner Frau überschreiben lassen. Als sie ihn verließ, nahm sie alles mit sich. Sie ließ den herzensguten, naiven und umzingelten “zum Bischof gemachten Doktor“ Mathew völlig verarmt zurück.

Im Jahr 1913 hatte Bischof Mathew Prince de Landes Berghes konsekriert. Im September 1914 jedoch, den Umständen des Krieges geschuldet, schickte die britische Regierung, um eine Internierung als Bürger eines feindlichen Landes zu vermeiden, Prince Berghes für die Dauer des Krieges nach Amerika. Diese Aktion beraubte Bischof Mathew seines Koadjutor-Bischofs. Man kann erraten, welche seelische Belastung Bischof Mathew in dieser Zeit ertragen haben muss. War es da ein Wunder, dass er nun einen seiner größten Fehler beging? Nachdem Bischof Prince de Landes Berghes das Land in Richtung Amerika verlassen hatte, konsekrierte Bischof Mathew den suspendierten römisch-katholischen Priester Frederick Samuel Willoughby und ernannte ihn zu seinem Koadjutor-Bischof. Gut informierte Zeitgenossen kennzeichneten Willoughby als eine im großen Stil unmoralische Person und unübersehbar schandbar in seinem persönlichen Leben. Offensichtlich hatte Willoughby es fertiggebracht, Bischof Mathew glauben zu machen, er sei das Opfer protestantischer Verfolgung - und Gerüchte um sein Verhalten seien lediglich Kampagnen zur Verunglimpfung, während er in Wahrheit eine Person mit hohen moralischen Standards sei.

Wieder einmal vertraute Bischof Mathew einem nahestehenden Kleriker, der darauf aus war, ihn zu täuschen und er verschluckte den Haken mitsamt der Schnur und dem Schwimmer. Es verging nicht viel Zeit, bis Bischof Mathew erkannte, dass die Gerüchte der Wahrheit entsprachen; und umgehend dispensierte und entließ er Willoughby. Dies war wiederum unglücklich für Bischof Mathew, denn er hatte seinen Irrtum zu spät erkannt. Der auf Willoughby’s Konsekration zum Bischof der englischen altkatholischen Kirche folgende Skandal schadete der Kirche zusätzlich und bewirkte einen weiteren, unerwünschten, unnötigen Vertrauensverlust gegenüber Erzbischof Mathew. Der Schaden war eingetreten, ohne daß man die Einfalt von Bischof Mathew’s vertrauensseliger Natur und die sofortige Korrektur seines Fehlers durch die Entlassung Willoughby’s beachtet hätte. - Willloughby  kehrte übrigens später unter die Jurisdiktion Roms zurück.

Im August 1915 hatte Reverend J. V. McMillan, der Kaplan des hochwürdigsten Erzbischofs von Canterbury, R. T. Davidson, in dem Magazin The Guardian eine Chronik geschrieben und veröffentlicht, die eine beträchtliche Anzahl vertraulicher Korrespondenzen zwischen Erzbischof Mathew und dem anglikanischen Primas von England enthielt. Es war offensichtlich, dass die anglikanische Kirche den Zeitpunkt von Bischof Mathew’s dunkelster Stunde wählte, um der englischen altkatholischen Kirche den Todesstoß zu versetzen.

Diese Ausarbeitung arbeitete erstmalig mit der offenen Weigerung, zur Kenntnis zu nehmen, daß es den Zusammenschluß  englischer altkatholischer Christen zu einer richtigen Kirche gab. Weiterhin setzte sie voraus, dass - angesichts seines Rufes und seiner Taten - kein guter Christ Erzbischof Mathew irgend eine Achtung oder Vertrauen in seine Fähigkeit als geistlicher Leiter entgegenbringen könnte. Schließlich veröffentlichten sie Mathew’s persönliche Briefe an den Erzbischof von Canterbury, die die Gültigkeit der anglikanischen Weihen in Frage stellten, und seine Versuche, eine lose Übereinkunft zwischen seiner Kirche und dem Anglikanismus zu erwirken. Jeder, der irgend einen Brief im Vertrauen an jemanden geschrieben hat, kann wohl die Ungehörigkeit des Artikels von McMillan ermessen, wie auch der Tatsache, dass Erzbischof Davidson ihm die persönlichen Briefe von Bischof Mathew überlassen hat. Diese ohne Warnung oder ohne zumindest eine höfliche Mitteilung zu veröffentlichen, ist äußerst unfair und höchst lieblos. Man kann sich die allgemeine Verachtung vorstellen, die viele Gegner von Bischof Mathew ihm entgegenbrachten, als sie einen solchen Akt von Gemeinheit vor Augen bekamen, wie es der Artikel von Rev. McMillan war. Schade nur, dass dies nicht das erste und jedenfalls nicht das letzte mal war, dass solch ein ungeistlicher Akt innerhalb kirchlicher Kreise als zur Förderung der “Ehre und Herrlichkeit Gottes“ nötig erklärt worden wäre. Diese äußerst verzerrte öffentliche Ansicht von Bischof Mathew und seiner Kirche in dem Guardian-Artikel hatte schwere Rückschläge für beide zur Folge, für ihn selbst und seine Kirche.

Im August 1915 fand sich Bischof Mathew nur noch mit der Ruine einer Kirche vor. Er war nur noch von ganz wenigen loyalen Klerikern und treuen Gliedern der Gemeinschaft umgeben. Am 6. August machte Erzbischof Mathew einen schmerzlichen aber notwendigen Schritt. Er verbot allen seinen Klerikern und Gläubigen jeglichen Kontakt mit oder den Beitritt zur Bewegung der Theosophen, die allgemein dabei war, den Altkatholizismus zu unterwandern und  in England besonders an Stoßkraft gewann. Es scheint, dass die altkatholischen Priester, Rev. R. King und Rev. Wedgewood die treibende Kraft waren, die die Altkatholiken in diesen Glauben hineindrängten, in diese merkwürdige Mischung aus Psychologie, Mystizismus und Philosophie. Es ist ebenfalls zu erwähnen, dass zum Schluss vier weitere altkatholische Kleriker in diese Bewegung verwickelt waren, ihre Namen bleiben jedoch unbekannt. In Reaktion auf Bischof Mathew’s Anordnung entschlossen sich die Theosophen, sich von der englischen altkatholischen Kirche zu trennen. Die Sache wurde zusätzlich verschlimmert durch das Wiederauftauchen des amtsenthobenen Bischofs Willoughby. Er unternahm es, Robert King und Bernhard Gauntlett zu Bischöfen in der theosophischen altkatholischen Kirche zu konsekrieren. Diese zwei Männer, zusammen mit Rev. Wedgewood, gingen daran, die liberal-katholische Kirche zu gründen, die aus einer kuriosen Mischung von Theosophie und Katholizismus bestand.

Im Jahr 1916 weihte Erzbischof Mathew Fr. Bernard Williams zu seinem ständigen Koadjutor mit dem Recht auf Nachfolge. Ein Jahr später legte der niedergeschlagene, müde und gebrochene Mathew die Bürde, die er als Haupt der altkatholischen Kirche in England trug, ab und übergab die Kirche, die er mit Liebe gegründet hatte, an Bischof Williams. Geschlagen, arm und allein, hatte Bischof Mathew keinen Ort, wohin er gehen konnte mit Ausnahme jenes anglikanischen Freundes in South Mymms in Kent, der ihn aufnahm. Hier verstarb er plötzlich am 20. Dezember 1919.

Erzbischof Arnold Harris Mathew, D. D. wurde auf einem Dorffriedhof nach anglikanischem Ritus begraben. Niemand nahm Notitz davon, dass er gegangen war. Erzbischof Williams bekam die Nachricht von Mathew’s Tod, nicht so rechtzeitig, daß er bei seinem Begräbnis anwesend sein oder dafür Sorge tragen konnte, dass der “Vater des englischen Altkatholizismus“ und der Mann, der am meisten verantwortlich dafür war, dass dieser in Bewegung gesetzt wurde, der Mann, der indirekt auch die Alte Heilige Katholische Kirche gegründet hatte, auch altkatholische Begräbnisriten bekam.

Rainer Laufers


So weit die sehr dankbare und wohlwollende Lebensbeschreibung des Erzbischofs Mathew durch Rainer Laufers. Es gibt aber auch Kritiker, mit deren anderer Sicht wir uns kurz befassen wollen. Der schwerste Vorwurf, der gegenüber Mathew erhoben wird, lautet, er habe seine Weihe durch falsche Angaben erschlichen, darum seien seine eigene Weihe und alle von ihm erteilten Weihen ungültig. Dazu ist zu sagen: Schon die Darstellung der obenstehenden Vita zeigt, daß dieser Vorwurf zu Unrecht erhoben wird. Nicht Mathew hat falsche Angaben gemacht, sondern O'Halloran. Aber selbst wenn es stimmen würde, daß sich Mathew die Weihe erschlichen hätte, wäre sie dennoch gültig. Das Alte Testament zeigt nämlich, daß auch der Segen, den sich Jakob erschlichen hat, von Isaak gültig gespendet und von Jakob gültig empfangen wurde (1.Mose 27,24-33).

Wenn sich jemand noch eingehender mit der Frage befassen will, ob Mathew sich die Konsekration erschlichen hat, den verweise ich auf die Untersuchung von Matthias Niche, die er hier einsehen kann.

Nicht so leicht zu entkräften ist der Vorwurf, Mathew habe zu unbedacht Unwürdige geweiht, wodurch sogar die neognostische liberal-katholische Sektenkirche in den Genuß der apostolischen Sukzession gekommen ist. Diese Weihen sind in der Tat zu bedauern. Man muß aber wissen, daß es immer schon das Problem unwürdiger Weihen gegeben hat. Selbst Jesus hat einen Judas zum Apostel erwählt, und Petrus hat Nikolaus, den Judengenossen von Antiochien, zum Diakon geweiht, der später der Begründer der nach ihm genannten Nikolaitensekte war (AG 6,5 / Offb 2,6+15).

Mathew mag ein ungewöhnlicher - vielleicht sogar etwas exzentrischer - Mensch gewesen sein, verglichen mit den Heiligen des Alten Testaments macht er jedoch, so weit man das mit menschlichen Augen erkennen kann, gar keine ganz schlechte Figur. Er hat kein Kind mit einer Magd gezeugt wie Abraham. Er hat ebenfalls nicht mit seiner Schwiegertochter Kinder gezeugt wie Juda. Er ist nicht zu den Huren gegangen wie Simson. Er hat keinen Ehebruch begangen wie David. Er hat keinen Götzendienst geübt wie Salomo. Man kann ihm überhaupt keine schwere Sünde nachweisen. Er war nur ein Mensch von ungewöhnlichem Charakter. Wer selber in seiner Sukzession die heilige Bischofsweihe empfangen hat, wird diesem geistlichen Vorfahren zutiefst dankbar sein.

K.R.B.

 

 

 

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